tritiyopadeshah
Sentence 83
atha vajroli
svechchhaya vartamano'pi yogoktair niyamair vina |
vajrolim yo vijanati sa yogi siddhi bhajanam ||83||
अथ वज्रोली
स्वेच्छया वर्तमानोऽपि योगोक्तैर् नियमैर् विना ।
वज्रोलीं यो विजानाति स योगी सिद्धिभाजनम् ॥८३॥
atha vajrolī-
svecchayā vartamāno'pi yogoktair niyamair vinā |
vajrolīṁ yo vijānāti sa yogī siddhi-bhājanam ||83||
Nun Vajroli Mudra - der Donnerkeil:
Selbst nach eigenem Gutdünken handelnd, ohne die sittlichen Regeln (Niyama) erklärt im Yoga, |
der Yogi, der Vajroli Mudra kennt, wird der Empfänger von übernatürlichen Kräften (Siddhi). ||83||
atha (अथ, atha) = nun, jetzt
vajroli (वज्रोली, vajrolī) = Donnerkeil
sva (स्व, sva) = eigener
ichchhaya (इच्छया, icchayā) = (Dat.- indirektes Objekt) Gutdünken
vartamanoh (वर्तमानोः, vartamānoḥ) = handelnd
api (अपि, api) = selbst
yogah (योगः, yogaḥ) = Yoga
uktaih (उक्तैः, uktaiḥ) = erklärt
niyamaih (नियमैः, niyamaiḥ) = Niyamas, Regeln im Umgang mit sich, sittliche Regeln
vina (विना, vinā) = ohne
vajrolim (वज्रोलीम्, vajrolīm) = Vajroli Mudra
ya (य, ya) = (relativ Pronomen) der
vijanati (विजानाति, vijānāti) = gut kennty
sah (सः, saḥ) = (pers pronomen 3 p. sing.) dieser eine
yogi (योगी, yogī) = Yogi
siddhi (सिद्धि, siddhi) = übernatürliche Kräfte
bhajanam (भाजनम्, bhājanam) = Empfänger
Es folgen einige Techniken die auf -oli enden. Es handelt sich dabei um sexuelle Praktiken. Die folgenden Sätze werden daher oft von Übersetzern und Kommentatoren ausgelassen. Iyengar und Swami Vishnu Devananda überspringen diesen Abschnitt einfach.
Es besteht weithin Diskussion ob die beschriebenen Techniken wörtlich zu verstehen sind oder nur Symbole innere energetische Vorgänge darstellen. Andererseits mag es auch unserem Wunsch entsprechen hier eine Grenze zu ziehen und während wir zuvor die Techniken wörtlich verstanden haben nun nur noch einen symbolischen Charakter zu sehen.
In jedem Fall gehört das Hatha Yoga zu den tantrischen Traditionslinien. Es beschreibt, wie üblich die -oli-Techniken oder sexuellen Praktiken nach gründlicher Vorbereitung:
- zuerst kommen die physischen Übungen: Asana. Ziel ist es den Körper vorzubereiten.
- dann kommen Reinigungsübungen: Kriya. Der Körper wird auf die Arbeit mit der Energie vorbereitet.
- Es folgt die Arbeit mit der Energie selbst: Pranayama bzw. Kumbhaka. Die Energie wird verstärkt.
- schließlich wird die Energie gezielt geleitet: Mudra und Bandha. So findet die Energie ihren Weg in den Haupt-Energiekanal.
- Nach diesen Grundlagen setzen sich die -oli-Techniken, die sexuellen Praktiken fort. Die innere Hitze und die Fähigkeit Bindu stabil zu halten sind die Voraussetzungen die vorher erlernt wurden.
Frühere Texte des Tantra beschreiben, dass beide Partner vor spirituell sexuellen Techniken bereits eine intensive Schulung erfahren haben sollen. Die Hatha Yoga Pradipika als Text aus dem relativ brüden 15. Jahrhundert enthält jedoch nur einen kurzen Auszug an sexuellen Praktiken oder oli-Techniken.
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