Ein ruhiger, klarer und gesammelter Geist ist nicht das Resultat von Zufall. Vielmehr kannst Du diese Qualitäten gezielt in Dir kultivieren indem Du die Veränderung Deines Wahrnehmungraumes (citta) verstehst.

Yoga Sutra 3: Über Ergebnisse der Yogapraxis
vyutthānaDvandva-Kompositum
vyutthānaSubstantiv Neutrum
im wachen Zustand, Aktivitätszusand, Versäumnis von Pflichten
vyutthānaSubstantiv Neutrum
viPräfixutthānaSubstantiv Neutrum
Versäumnis von Pflichten, das Nachgeben
viPräfixgetrennt, unterschiedlich, auseinander
utthānaSubstantiv Neutrum
udPräfixsthāVerbalwurzel
das Aufstehen, Sich Aufrichten, Erhebung, Aufbruch zu einer Handlung
udPräfixhoch, auf, über
sthāVerbalwurzelstehen
nirodhaTatpuruṣa-Kompositum Genitiv
nirodhaSubstantiv Maskulin
zur Ruhe kommen, Ruhezustand
nirodhaSubstantiv Maskulin
niPräfixrudhVerbalwurzel
Unterdrückung, Hemmung
niPräfixnieder, zurück
rudhVerbalwurzelzurückhalten, anhalten
saṁskārayoḥGenitiv Dual
saṁskāraSubstantiv Maskulin
Prägungen, alte Eindrücke, Geworden sein
saṁskāraSubstantiv Maskulin
samPräfixkāraSubstantiv Maskulin
Zubereitung, Eindruck, Anlage des Geistes
samPräfixzusammen, mit
kāraSubstantiv Maskulin
kr̥Verbalwurzel
Tat, Handlung
kr̥Verbalwurzeletwas machen, vollbringen, ausführen
abhibhavaDvandva-Kompositum
abhibhavaSubstantiv Maskulin
das Überwinden, Überwindung / übermächtig
abhibhavaSubstantiv Maskulin
abhiPräfixbhūVerbalwurzel
das Hinzukommen; Überwältigung; Beschämung
abhiprefAmphie-Theaterüber, hin, hinein
bhūVerbalwurzelwerden, entstehen, geschehen
prādurbhāvauNominativ Dual
prādurbhāvaSubstantiv Maskulin
Erscheinen
prādurbhāvaSubstantiv Maskulin
prādusPräfixbhūVerbalwurzel
das Zumvorscheinkommen, Erscheinen
prādusAdverbhervor, zum Vorschein
bhūVerbalwurzelwerden, entstehen, geschehen
nirodhaTatpuruṣa-Kompositum Genitiv
nirodhaSubstantiv Maskulin
zur Ruhe kommen
nirodhaSubstantiv Maskulin
niPräfixrudhVerbalwurzel
Unterdrückung, Hemmung
niPräfixnieder, zurück
rudhVerbalwurzelzurückhalten, anhalten
kṣaṇaTatpuruṣa-Kompositum Lokativ
kṣaṇaSubstantiv Maskulin
Moment, Augenblick
cittaTatpuruṣa-Kompositum Genitiv
cittaSubstantiv Neutrum
Wahrnehmungsraum
cittappp, Substantiv Neutrum
citVerbalwurzel
Denken, Vorstellung, Gedanke, Herz, Gemüt, Geist, Wahrnehmungsraum
citVerbalwurzelwahrnehmen, bemerken, beobachten
anvayaḥNominativ Singular
anvayaSubstantiv Maskulin
Verbindung, Nachfolge
anvayaSubstantiv Maskulin
anuPräfixiVerbalwurzel
Verbindung, Nachfolge
anuPräfixfolgend, basierend auf, unter, nach
iVerbalwurzelgehen, ausgehen, hingehen
nirodhaTatpuruṣa-Kompositum Genitiv
nirodhaSubstantiv Maskulin
zur Ruhe kommen
nirodhaSubstantiv Maskulin
niPräfixrudhVerbalwurzel
Unterdrückung, Hemmung
niPräfixnieder, zurück
rudhVerbalwurzelzurückhalten, anhalten
pariṇāmaḥNominativ Singular
pariṇāmaSubstantiv Maskulin
Umwandlung
pariṇāmaSubstantiv Maskulin
pariPräfixnamVerbalwurzel
Umwandlung, Wandlungszustand, Wandlung
pariPräfixum herum
namVerbalwurzelsich beugen, sich verneigen vor

Das Überwinden (abhibhava) von Prägungen (saṁskārayoḥ) der Aktivität (vyutthāna) und das Erscheinen (prādurbhāvau) von Prägungen der Ruhe (nirodha) [sind] die Formung eines Wahrnehmungsraumes (citta-anvaya) im Moment der Ruhe (nirodha-kṣaṇa). [Dies ist] die Umwandlung zur Ruhe (nirodha-pariṇāma).

Dr. Ronald Steiner - historisch-wörtlich


Um die [qualitative] Eigenschaft von Ruhe (nirodha-pariṇāma) in Deinem inneren Wahrnehmungsraum zu kultivieren, wähle Eindrücke (saṁskāra) der Ruhe (nirodha) über solche der Unruhe (vutthāna).

Dr. Ronald Steiner - moderner Transfer


Die Überwindung des Zustandes des Wachseins und das Zutagetreten des Zustandes der Unterdrückung bilden den das Cittam im Augenblicke der Unterdrückung betreffenden Unterdrückungsakt.

Paul Deussen - 1908


Out of the two trains of self-reproductive thought, resulting from the Vyutthāna and the Nirodha, when the former is subdued and the latter is manifested and at that moment of manifestation, the internal organ (Citta) is concerned in both of the trains, then, such modification of the internal organ is the modification in the shape of Nirodha.

James R. Ballantyne - 1852

tasyaGenitiv Singular
taPronomen 3. Person
dessen
praśāntaKarmadhāraya-Kompositum
praśāntaAdjektiv
beruhigt, ruhig
praśāntaAdjektiv
praPräfixśamVerbalwurzel
beruhigt, ruhig
praPräfixvorwärts, vorne
śamVerbalwurzelruhig, still werden, befriedigt sein, aufhören, sich legen
vāhitāNominativ Singular
vāhitāSubstantiv Feminin
Fließen
vāhitāSubstantiv Feminin
vāhinAdjektiv
das Fließen
vāhinAdjektiv
vahVerbalwurzel
fließend, dahinfahrend
vahrmit Gespann oder Schiffführen, fahren ; fließen; wehen
SuffixNomen Abstraktum: xy-haft
saṁskārātAblativ Singular
saṁskāraSubstantiv Maskulin
Prägung, alte Eindrücke
saṁskāraSubstantiv Maskulin
samPräfixkāraSubstantiv Maskulin
Zubereitung, Eindruck, Anlage des Geistes
samPräfixzusammen, mit
kāraSubstantiv Maskulin
kr̥Verbalwurzel
Tat, Handlung
kr̥Verbalwurzeletwas machen, vollbringen, ausführen

Aus der Prägung (saṁskāra) dieses (tasya) [Umwandlungszustand zur Ruhe (nirodha-pariṇāma), entsteht] ein beruhigter Fluss (praśānta-vāhitā) [im Wahrnehmungsraum (citta)].

Dr. Ronald Steiner - historisch-wörtlich


Du wirst erleben, wie diese, so kultivierte Ruhe, zu einer Gewohnheit (saṁskāra) für Dich wird. Dein Leben wird zu einem ruhigen Fluss (praśānta-vāhitā).

Dr. Ronald Steiner - moderner Transfer


Für dieses [das Cittam] ergibt sich aus jenem Zustande [der Unterdrückung] in beruhigtes Dahinfließen.

Paul Deussen - 1908


A uniform flow (of modifications of the internal organ arises) from the (aforesaid) train of self-reproductive thought.

James R. Ballantyne - 1852

sarvārthatāDvandva-Kompositum
sarvārthatāSubstantiv Feminin
Zerstreuung
sarvārthātāSubstantiv Feminin
sarvaAdjektivarthaSubstantiv MaskulinSuffix
multiple Dinghaftigkeit
sarvaAdjektivalles, multipel
arthaSubstantiv MaskulinDing, Objekt, Ziel, häufig am Ende von Suffixen
SuffixNomen Abstractum: "xy-Haftigkeit"
ekāgratayoḥGenitiv Dual
ekāgratāSubstantiv Feminin
Einpünktigkeit
ekagratāSubstantiv Feminin
ekāgraAdjektivSuffix
Einpünktigkeit
ekāgraAdjektiv
ekaZahlwortagraSubstantiv Neutrum
einpünktig
ekaZahlworteiner, eins
agraSubstantiv NeutrumSpitze, Gipfel
SuffixNomen Abstractum: "xy-Haftigkeit"
kṣayaDvandva-Kompositum
kṣayaSubstantiv Maskulin
Abnehmen
kṣayaSubstantiv Maskulin
kṣiVerbalwurzel
Abnahme, Verminderung, Verlust; Wohnung, Wohnsitz, Aufenthalt
kṣiVerbalwurzelvernichten, zerstören, verderben, ein Ende machen; weilen, sich aufhalten, wohnen
udayauNominativ Dual
udayaSubstantiv Maskulin
Aufsteigen, Erheben, Entstehen
udayaSubstantiv Maskulin
udPräfixiVerbalwurzel
das in die Höhe gehen, Erheben, Erfolg, Ausgang
udPräfixauf, hoch, nach oben
iVerbalwurzelgehen, ausgehen, hingehen
cittasyaGenitiv Singular
cittaSubstantiv Neutrum
Wahrnehmungsraum
cittappp, Substantiv Neutrum
citVerbalwurzel
Denken, Vorstellung, Gedanke, Herz, Gemüt, Geist, Wahrnehmungsraum
citVerbalwurzelwahrnehmen, bemerken, beobachten
samādhiTatpuruṣa-Kompositum
samādhiSubstantiv Maskulin
vollkommene Einheitserfahrung, Erleuchtungszustand
samādhiSubstantiv Maskulin
samPräfixādhiSubstantiv Maskulin
Zusammensetzung, Verbindung, Einheitserfahrung, Erleuchtungszustand
samPräfixzusammen, mit, völlig
ādhiSubstantiv Maskulin
āPräfixdhāVerbalwurzel
Standort, Lage; Gedanken, Sorgen
āPräfixhin zu, nahe bei
dhāVerbalwurzelsetzen, stellen, legen
pariṇāmaḥNominativ Singular
pariṇāmaSubstantiv Maskulin
Umwandlung
pariṇāmaSubstantiv Maskulin
pariPräfixnamVerbalwurzel
Umwandlung, Wandlungszustand, Wandlung
pariPräfixum herum
namVerbalwurzelsich beugen, sich verneigen vor

Das Abnehmen (kṣaya) von Zerstreuung (sarvārthatā) und das Aufgehen (udaya) von Einpünktigkeit (ekāgratā) des Wahrnehmungsraumes (cittasya) [ist] die Umwandlung zur Klarheit (samādhi-pariṇāmaḥ).

Dr. Ronald Steiner - historisch-wörtlich


Um Deinem Wahrnehmungsraum (citta) die [räumliche] Ausrichtung der Klarheit (samādhi-pariṇāma) zu schenken. Wähle Konzentration (ekāgratā) über Zerstreuung (sarvārthā).

Dr. Ronald Steiner - moderner Transfer


Die Vernichtung der Vielgeschäftigkeit des Cittam und das Hervortreten seiner Konzentration ist der Versenkungsakt.

Paul Deussen - 1908


Out of the two (properties) of the internal organ citta- which consists of sarvārthatā (that is its comprehension of several object) and ekāgratā (i.e., its intentness on a single point): (when) the first is utterly destroyed and the second is manifested– (at that time the connection of the internal organ with both of the properties or the state in which it exists as Dharmī i.e., endowed with the two properties) is the modification of the internal organ in the shape of Samādhi (meditation).

James R. Ballantyne - 1852

tataḥAblativ Singular
taPronomen 3. Person
dann
punar
punarAdverb
wieder, nun, wiederum. Hier: schließlich
śāntaDvandva-Kompositum
śāntaAdjektiv
beruhigende, vergangene, erloschene
śāntappp, Adjektiv
śamVerbalwurzel
beruhigt, zur inneren Ruhe gelangt, erloschen, aufgehört, nachgelassen
śamVerbalwurzelruhig werden, still werden, aufhören, sich legen
uditauNominativ Dual
uditaAdjektiv
gebündelt, aktuelle, entstehende
uditaAdjektiv
udPräfixiVerbalwurzel
entstehen, aufgehen
udPräfixauf, hoch, nach oben
iVerbalwurzelgehen, ausgehen, hingehen
tulyaKarmadhāraya-Kompositum
tulyaAdjektiv
gleich, gleichzeitig, ausgeglichen
tulyaAdjektiv
tulāSubstantiv Feminin
das Gleichgewicht halten, gleichartig, gleich,
tulāSubstantiv FemininWaage, Wagenbalken, Gewicht
pratyayauNominativ Dual
pratyayaSubstantiv Maskulin
Eindrücke, Glaube, feste Vorstellung
pratyayaSubstantiv Maskulin
pratiPräfixiVerbalwurzel
Glaube, feste Überzeugung, Gewissheit, Vorstellung
pratiPräfixzurück, entgegen, gegen
iVerbalwurzelgehen, ausgehen, hingehe
cittasyaGenitiv Singular
cittaSubstantiv Neutrum
Wahrnehmungsraum
cittappp, Substantiv Neutrum
citVerbalwurzel
Denken, Vorstellung, Gedanke, Herz, Gemüt, Geist, Wahrnehmungsraum
citVerbalwurzelwahrnehmen, bemerken, beobachten
ekāgratā-Tatpuruṣa-Kompositum
ekāgratāSubstantiv Feminin
völlige Aufmerksamkeit auf eine Sache, Beständigkeit, Konzentration
ekagratāSubstantiv Feminin
ekāgraAdjektivSuffix
Einpünktigkeit
ekāgraAdjektiv
ekaZahlwortagraSubstantiv Neutrum
Einpünktig
SuffixNomen Abstractum: "xy-Haftigkeit"
ekaZahlworteiner, eins
agraSubstantiv NeutrumSpitze, Gipfel
pariṇāmaḥNominativ Singular
pariṇāmaSubstantiv Maskulin
Umwandlung, Wandlung
pariṇāmaSubstantiv Maskulin
pariPräfixnamVerbalwurzel
Umwandlung, Wandlungszustand, Wandlung
pariPräfixum herum
namVerbalwurzelsich beugen, sich verneigen vor

Dann schließlich (tataḥ punaḥ a) [treten] die beruhigende (śānta)b [Umwandlung zur Ruhe (nirodha-pariṇāma)] und die bündelnde (udita)c [Umwandlung zur Klarheit (samādhi-pariṇāma)] gleichzeitig [auf]. [Dies ist] die Umwandlung zur Sammlung (ekāgratā-pariṇāma).

Dr. Ronald Steiner - historisch-wörtlich

a:

In einigen Manuskripten fehlt tataḥ punaḥ, beispielswiese in der Version die Paul Deussen übersetzt.

b:

śānta(beruhigende) bezieht sich auf praśānta aus Satz 3.10 und damit auf Nirodha-Pariṇāma.

c:

Zwar steht hier udita (aufgehende, entstehende), doch wird uddita (gebündelt), von ud (auf, hoch) und (binden, fesseln), oft nachlässig nur udita geschrieben. So bezieht sich udaya auf 3.11 und damit auf Samādhi-Pariṇāma.


Sammlung (ekāgratā-pariṇāma) findest Du durch beide Aspekte, die Ruhe (śānta) und die Klarheit (udita). Du kultivierst diese Sammlung, indem Du sowohl die jeweils zugehörige beruhigende, wie auch die bündelnde Ausrichtung zugleich wählst.

Dr. Ronald Steiner - moderner Transfer


Der beruhigte [Unterdrückungsakt] und der erhabene [Versenkungsakt] des Cittam, wenn sie gleichstark eintreten, bilden den Konzentrationsakt.

Paul Deussen - 1908


(When) the two particular states or modifications (Pratyayhs) the one tranquil (Śānta) and the other risen (Udita) of the internal organ become equal, then its connection with both of the states is (its) modification in the shape of an intentness on a single point (Ekāgratā).

James R. Ballantyne - 1852

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