Saṁskr̥t-verse werden singend rezitiert. Der entstehende Rhythmus entsteht dadurch, dass im Saṁskr̥t eine Silbe entweder betont (guru) oder unbetont (laghu) ist. Hier lernst Du in einem Saṁskr̥t Wort Silben zu erkennen.

Sanskrit Metren

(1) Der Vokal als Kern der Silbe 

Saṁskr̥t ist eine auf Silben basierte Sprache und der Klang der Sprache wird durch das kleinste Lautpaket - die Silbe - gebildet. Eine Silbe ist ein Laut mit genau einem Vokal. So trennst Du nun ein Saṁskr̥t Wort in seine Silben:

Der Vokal (a, ā, i, ī, u, ū), Sonant (, r̥̄, , l̥̄) oder Diphthong (e, ai, o, au) bildet jeweils das Ende einer Silbe. 

Beispiele:
nādī (Energiekanal) nā┆dī  (2 Silben)
viveka (Unterscheidungskraft) vi┆ve┆ka (3 Silben)
kumāri (junges Mädchen) ku┆mā┆ri (3 Silben)
kośa (Hülle) ko┆śa (2 Silben)
śauca (Reihnheit) śau┆ca (2 Silben)
taila (Sesamöl) tai┆la (2 Silben)

Beachte:
Häufig werden ai (tai┆la) und au (śau┆ca) nicht erkannt. Beide werden wie ein Vokal behandelt.

Ein Vokal kann auch alleine stehen. Das geht nur zum Satzanfang:

āsana (Körperhaltung) ā┆sa┆na
anumodita (befürwortet) a┆nu┆mo┆di┆ta 

Beachte:
Häufig wird der retroflexe Laut versehentlich zu den Konsonanten gezählt. Das klingt aber durch sich selbst und gehört zu den Vokalen (genauer Sonanten), d.h. dahinter wird die Silbe getrennt:

gr̥ha (Haus) gr̥┆ha
r̥ṣi (Weiser, Seher) r̥┆ṣi 

Das r hingegen wird bei der Silbentrennung wie ein Konsonant behandelt, d.h. es “benötigt” einen Vokal, um eine ganze Silbe zu sein:

dhāraṇa (Konzentration) dhā┆ra┆ṇa

Merke:
(Sonante) kann alleine stehen, r (Semivokal) benötigt noch einen folgenden Vokal.

(2) Vokalmodifikatoren 

Steht ein Vokalmodifikator (Anusvāra, oder Visarga, ) hinter dem Vokal, gehört dieser noch zum Vokal dazu und bildet somit das Ende dieser Silbe.

ahiṁsa (Gewaltlosigkeit) a┆hiṁ┆sa
saṁyoga (Verbindung) saṁ┆yo┆ga
saṁdhāna (Zusammenfügung) saṁ┆dhā┆na
duḥkha (Leid) duḥ┆kha

(3) Konsonanten in einer Silbe

Alle weiteren Konsonanten, die vor dem Vokal stehen, gehören zu dieser Silbe.

Die folgenden Beispiele zeigen Silben mit einer Aneinanderreihung von zwei Konsonanten:

īśvara (persönlicher Gott) ī┆śva┆ra, śva = ś + va
kaivalya (Befreiung) kai┆va┆lya, lya = l + ya
maitrī (Freundlichkeit) mai┆trī, trī = t +

Beachte hier wieder, dass ai (mai┆trī) wie ein Vokal behandelt wird.

vikṣepa (Zerstreutheit) vi┆kṣe┆pa, kṣe = k + ṣe
kumbhaka (Atemverhalten) ku┆mbha┆ka, mbha = m + bha

Häufig finden sich zwei Konsonanten, doch auch mehr sind möglich:

tattvaṁ (Grundprinzip) ta┆ttvaṁ, ttvaṁ = t + t + vaṁ
tārkśya (Name eines Gottes) tā┆rkśya, rkśya = r + k + ś + ya

Eine Silbe kann eine Wortgrenze überspannen

Endet ein Wort auf einen Konsonanten und beginnt das nächste Wort mit einem Vokal, so kann die Silbe die Wortgrenze sogar überspannen:

phalam icchati (er wünscht eine Frucht)
pha┆la┆m i┆ccha┆ti (5 Silben)
Die Silbe mi überspannt die Wortgrenze.

sa munir vicaraṁs tatra (während der Weise dort umher wanderte)
sa┆ mu┆ni┆r vi┆ca┆raṁ┆s ta┆tra (8 Silben)
Die Silben rvi und sta überspannen je eine Wortgrenze.

Besonderheit: Konsonant am Satzende

Steht ein Wort am Satzende und endet mit einem Konsonanten, so gehört dieser noch zur Silbe dazu:

pitr̥ṇ (Väter) pi┆tr̥ṇ

Das auslautende gehört noch zur Silbe dazu. Im Satz hingegen kann niemals ein Konsonant alleine auftreten, denn die Silbe bildet sich dann einfach mit dem nächsten Wort:

pitr̥ṇ atha… (Väter und…) pi┆tr̥┆ṇ a┆tha┆…
Hier überspannt die Silbe ṇa die Wortgrenze.

Merke:
Einen einzelnen Konsonanten gibt es nur im absoluten Auslaut, also vor einer Zäsur (senkrechten Strich  |) oder am Satzende (zwei senkrechte Striche | |). An diesen Stellen wird bei der Aussprache eine kleine Pause gemacht.

Als Beispiel schauen wir den ersten Vers aus der Isha Upanishad an:

ईशावास्यम् इदं सर्वं यत् किञ् च जगत्यां जगत्* |
īśā-vāsyam idaṁ sarvaṁ yat kiñ ca jagatyāṁ jagat* |

तेन त्य्कतेन भुञ्जीथा म गृधः कस्य स्विद्धनम्  | |
tena tykatena bhuñjīthā ma gr̥dhaḥ kasya svid-dhanam  | |

In der ersten Zeile steht als letztes Wort jagat vor einer Zäsur (|). Die Silben sind hier nicht  ja┆ga┆t sondern ja┆gat. Das endende t gehört also noch zur vorherigen Silbe.

*Wer mehr wissen möchte: Hier wurde ein Virāma verwendet. Ein Virāma streicht den Vokal, sodass der Konsonant alleine stehen bleibt. Aus einem na wird dadurch ein n, aus einem ma ein m, aus einem ta ein t usw. Diesen einzelnen Konsonant fügt man noch zur vorherigen Silbe ans Ende dran. Das Virāma erkennst Du im Devanāgarī als einen schrägen Strich unter dem Konsonant. In der Transliteration gibt es kein Zeichen dafür, und es ist an der Stelle nicht weiter wichtig für Dich.

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    Martina Neues

    at 22.01.2024

    Hallo Ron, ich finde leider kein Wort was ich in Silben trennen kann und soll. Liebe Grüße Martina Hallo Ron, ich finde leider kein Wort was ich in Silben trennen kann und soll. Liebe Grüße Martina

    • Hallo Martina,
      das ist der Text zum Lesen und Lernen wie es geht. In Deinem Ausbildungs-eLearning findest Du in der Aufgabe die Worte zum Splitten. Viel Freude wünscht Dir
      Ronald Hallo Martina,
      das ist der Text zum Lesen und Lernen wie es geht. In Deinem Ausbildungs-eLearning findest Du in der Aufgabe die Worte zum Splitten. Viel Freude wünscht Dir
      Ronald

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    Petra Zahn

    at 27.07.2022