Das Saṁskr̥t-Alphabet ist ein Silbenalphabet und sein Aufbau folgt einer leichten und logischen Struktur. Hier bekommst du eine Übersicht über den grundlegenden Aufbau des Alphabets, die Phonationsorte im Mund und wie Silben ausgesprochen werden.

Sanskrit Metren

Das Silbenalphabet

Ein Silbenalphabet ist eine Schrift, bei der die Zeichen für Silben stehen. Es gibt also Zeichen für Vokale und Zeichen für Kombinationen aus Konsonanten und Vokalen. Konsonanten kommen also nur zusammen mit einem Vokal vor.

Beispiele: a, i, e, u, o, yo, ga, ka, hi, ru, mo, te, kai, jau, lau

Moderne Silbenalphabete existieren sowohl im Japanischen mit der Hiragana- und Katakana Schrift als auch im Koreanischen mit der Hangeul Schrift. 

Dank ihrer Struktur können Silben-Alphabete leicht erlernt werden. 

Die Phonationsorte

Sowohl Vokale als auch Konsonanten lassen sich nach dem Ort der Klangbildung in der Mundhöhle ordnen, also dem Ort, an dem der Laut artikuliert wird. Für das  Saṁskr̥t-Alphabet sind dies fünf Orte. Dabei werden Orte von ganz hinten in der Kehle nach vorne zu den Lippen durchlaufen. 

Das sind die fünf Phonationsorte:

  1. In der Kehle, am weichen Teil des Gaumens (guttural)
  2. Am harten Teil des Gaumens (palatal)
  3. Am Zahnfleisch hinter den oberen Schneidezähnen (retroflex)
  4. An den Zähnen als würde die Zunge fast dazwischen hindurch schieben (dental)
  5. An den Lippen (labial)

Den Unterschied zwischen weichem, hinteren Teil des Gaumens und dem weiter vorne gelegenen, hartem Teil kann man gut tasten. Fahre dazu mit dem Zeigefinger oben am Gaumen lang. Da wo der Gaumen näher am Gehirn liegt und sich nach oben wölbt, ist es hart, wenn Du weiter nach hinten fährst, wird es weich. 

Vokale und Diphthonge

An jedem der fünf beschriebenen Orte kann nun ein Vokal gebildet werden. 

Wie viele Vokale gibt es dann? Es sind fünf!

Jeder dieser fünf Vokale kann kurz gesprochen werden, oder auch lang. Lange Vokale haben einen Strich über dem Buchstaben und werden doppelt so lang gesprochen wie die kurzen Vokale. Insgesamt sind es nun also 10 Vokale.

In dieser Reihe sind die Vokale nach dem Phonationsort im Mund geordnet:

a, ā, i, ī, r̥, r̥̄, l̥, l̥̄, u, ū

  1. a, ā (Kehle, 1), 
  2. i, ī (Gaumen, 2),
  3. r̥, r̥̄ (retroflex, 3),
  4. l̥, l̥̄ (dental, 4),
  5. u, ū (labial, 5)

Hinweis: Die beiden Sonanten r̥, r̥̄ und l̥, l̥̄ wurden zur Vereinfachung zu den Vokalen gezählt.

Ungewöhnlich für Deutsche ist die retroflexe Klangbildung (r̥, r̥̄). Zur Aussprache rolle die Zungenspitze oben hinter die Zähne, ohne dabei die Zähne zu berühren. Das amerikanische r in “we are” hat eine ähnliche Zungenstellung und ein bekanntes Saṁskr̥t-Wort ist Kr̥ṣṇa (Krishna). Das retroflexe hört sich wie ein ri an.

Spreche nun die Vokale und achte darauf, wo im Mund der Vokal gebildet wird. Kehlig von hinten a, über den Gaumen i, hinter den Zähnen , an (fast zwischen) den Zähnen weiter vor zu den Lippen u.

Wenn du diese Reihenfolge von hinten nach vorne verstanden hast, hast du bereits den grundlegenden Aufbau des Alphabets verstanden. 

Neben den Vokalen gibt es noch Diphthonge, diese werden immer lang gesprochen, da sie sich aus Verschmelzung von zwei Vokeln bilden lassen: e, ai, o, au

Als Einführung genügt das. Wenn du die Vokale weiter vertiefen möchtest, besuche diese Seite Vokale - AshtangaYoga.info

Die Konsonanten

Konsonanten (z.B. k) bilden mit einem Vokal (z.B. a) oder einem Diphtong (e, ai, o, au) eine Silbe (ka).

Der Konsonant kann dabei einmal hart gesprochen werden (ka), hart und aspiriert (kha), weich (ga), weich und aspiriert (gha) oder nasalisiert (ṅa) werden. 

An einem Phonationsort, wie zum Beispiel der Kehle, gibt es also fünf mögliche Konsonanten: ka, kha, ga, gha, ṅa

Die Reihenfolge ist immer:

  • Stimmlos (hart), 
  • stimmlos & aspiriert, 
  • stimmhaft (weich), 
  • stimmhaft & aspriert, 
  • nasalisiert.

25 Sparśa-Konsonanten / Plosive Laute

Wenn wir diese Systematik auf alle Phonationsorte übertragen, ergeben sich damit je 5 Konsonanten an 5 Phonationsorten:

  1. Kehle: ka, kha, ga, gha, ṅa
  2. Gaumen: ca, cha, ja, jha, ña
  3. Retroflex: ṭa, ṭha, ḍa, ḍha, ṇa
  4. Dental: ta, tha, da, dha, na
  5. Labial: pa, pha, ba, bha, ma

Man nennt diese auch die 25 Sparśa-Konsonanten. Sparśa bedeutet “Kontakt”, denn hier wird der Atemstrom bei der Artikulation blockiert. 

Spreche ein a, hier kann die Luft ungehindert hinaus strömen. Spreche nun ein ka. Spürst du, wie in der Kehle der Luftstrom mit der Zungenwurzel kurz blockiert wird, um das k zu formen und dann geöffnet wird, damit das a klingt?

  1. In der Kehle wird der Klang mit Hilfe des hinteren Teiles der Zunge, der Zungenwurzel, gebildet.
  2. Am harten Teil des Gaumens arbeitet die Mitte der Zunge mit,
  3. für die retroflexe wird die Zungenspitze verwendet,
  4. für die dentale Klangbildung wird ebenfalls die Zungenspitze verwendet und 
  5. am labialen Ort bewegen sich die Lippen.

Die retroflexen Laute (ṭa, ṭha, ḍa, ḍha, ṇa) erkennst Du an einem Punkt unter dem Buchstaben.

Aspirierte Laute haben nach dem Konsonanten ein folgendes “h”. Beachte, dass sie als ein Konsonant gelten. Bei der Aussprache soll das aspirierte h hörbar sein.

Beispiel: ka wie in kann, kha wie in Kahn

Im Deutschen kennen wir solch aspirierte Laute oft nur in zusammengesetzten Wörtern. Daher ist es für uns wichtig, diese Aussprache zu üben. Versuche daher die folgende Übung:

  1. Spreche mehrmals hintereinander: ka - ha, mit einer kleinen Pause nach dem ka: ka - ha, ka - ha
  2. Denke Dir dann das erste a weg: k - ha, k - ha, k - ha, noch immer mit kleiner Pause nach dem k.
  3. Und lass dann die Buchstaben ohne Pause verschmelzen: kha
  4. Versuche das ha dabei möglichst lange auszuhauchen.

Der Unterschied zwischen dem nicht-aspirierten und aspirierten Laut sollte hörbar sein, denn sonst ist die Bedeutung des Wortes auch anders.

Beispiel: phala, die Frucht aberpala, das Fleisch!

Dies sei an dieser Stelle genug für das weitere Fortschreiten. Weiter vertiefen kannst Du die Konsonanten hier: Plosive - AshtangaYoga.info

4 Usṣman-Konsonanten / Zischlaute

Im Saṁskr̥t werden die Uṣman-Laute als Reibelaute oder Zischlaute klassifiziert. Diese Gruppe umfasst typischerweise Laute, die durch Reibung des Luftstroms an bestimmten Stellen im Mundraum entstehen, was ein charakteristisches zischendes Geräusch erzeugt.

Durch die 5 Phonationsorte würden wir auch 5 Uṣman Laute erwarten. Doch der labiale Zischlaut hat im Saṁskr̥t kein eigenes Schriftzeichen.

Also bleiben 4 Uṣman-Laute:

  1. h: Guttural
  2. ś: Palatal
  3. : Retroflex
  4. s: Dental

Dies sei an dieser Stelle genug für das weitere Fortschreiten. Weiter vertiefen kannst Du die Zischlaute hier: Zischlaute - AshtangaYoga.info

4 Antastha-Konsonanten / Semivokale

Die Antastha-Laute stehen in ihrer Artikulation zwischen den Berührungslauten (Sparśa) und den Reiblauten (Uṣman) und zeichnen sich durch eine Zwischenstellung aus, die weder eine vollständige Berührung noch eine reine Reibung erfordert. Wir können diesen Laut auch als Semivokal bezeichnen.

Durch die 5 Phonationsorte würden wir auch 5 Antastha Laute erwarten. Doch der gutturale Antastha-Laut hat im Saṁskr̥t kein eigenes Schriftzeichen.

Also bleiben 4 Antastha-Laute:

  1. y: Palatal
  2. r: Retroflex
  3. l: Dental
  4. v: Labial

Dies sei an dieser Stelle genug für das weitere Fortschreiten. Weiter vertiefen kannst Du die Semivokale hier: Semivokale - AshtangaYoga.info

5 Anunāsika-Konsonanten / Nasal-Laute

Im Saṁskr̥t werden die fünf nasalen Laute als "Anunāsika" bezeichnet. Diese nasalen Laute korrespondieren mit den fünf phonetischen Bereichen und werden oft in Verbindung mit den anderen Konsonanten verwendet, um die nasale Qualität zu betonen. 

Durch die 5 Phonationsorte erwarten wir auch 5 Anunāsika-Laute - und bekommen sie hier auch: 

  1. : Guttural
  2. ñ: Palatal
  3. : Retroflex
  4. n: Dental
  5. m: Labial

Auch dies sei an dieser Stelle genug für das weitere Fortschreiten. Weiter vertiefen kannst Du die Nasal-Laute hier: Nasale - AshtangaYoga.info

Eine lebendige Sprache

Saṁskr̥t ist übrigens keine tote Sprache. Insgesamt gibt es wohl noch eine Handvoll indische Dörfer in Madhya Pradesh und Karnataka, in denen Sanskrit versucht wird, als Alltagssprache zu nutzen. Ein bekanntes Dorf ist Mattur, das etwa 300 km von Bangalore entfernt liegt. Mattur wird von den Sankethis bewohnt, einer alten Brahmanen-Gemeinschaft, die vor etwa 600 Jahren aus Kerala ausgewandert ist. Die Dorfbewohner von Mattur haben Sanskrit als ihre Hauptsprache im Jahr 1981 wieder angenommen und wollen sie so erhalten. Die Kinder lernen in der Schule Sanskrit als erste Sprache, auch wenn im Alltag dennoch oft ein Dialekt verwendet wir

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