Ganz systematisch kannst Du durch eine achtgliedrige Yogapraxis (aṣṭāṅga-yoga) Deinen Wesenskern erfahren. Es beginnt mit zwei Gliedern für den Alltag, umfasst vier Glieder einer spirituellen Praxis (sādhana) und führt zu einer über drei Stufen tiefer werdenden Meditation (saṁyama).

Yoga Sutra 2: Über die spirituelle Praxis
tasyaGenitiv Singular
tatPronomen 3. Person
dessen
saptadhāFeminin Nominativ Singular
saptadhāAdjektiv
siebenfach
saptadhāAdjektiv
saptaZahlwort dhaa |suff
siebenfach
saptaZahlwortsieben
dhāSuffix-fach
prāntaKarmadhāraya-Kompositum
prāntaSubstantiv Maskulin
Rand, Saum, Grenze, Spitze, Höchste
prāntaSubstantiv Maskulin
praPräfixantaSubstantiv Maskulin
Rand, Saum, Grenze, Spitze, Höchste
praPräfixvor, vorzüglich, sehr
antaSubstantiv MaskulinEnde, Endpunkt
bhūmiḥNominativ Singular
bhūmiSubstantiv Feminin
Erde, Stufe, Stockwerk
bhūmiSubstantiv Feminin
bhūVerbalwurzel
Erde, Stufe, Stockwerk
bhūVerbalwurzelsein, werden, entstehen, geschehen
prajñāNominativ Singular
prajñāSubstantiv Feminin
Einsicht
prajñāSubstantiv Feminin
praPräfix j~naa |r
Wissen, Weisheit, Unterscheidung, Einsicht
praPräfixvorwärts, hervor
jñāVerbalwurzelwissen, kennen

Einsicht (prajñā) davon (tasya) [ist] die siebenfach (saptadhā) höchste Stufe (prānta-bhūmiḥ).

Dr. Ronald Steiner - historisch-wörtlich


Du erfährst diese Unterscheidungskraft (viveka) und die damit verbundene Freiheit (kaivalya) über einen Weg, der sieben Stufen und damit acht Stufenabsätze, umfasst.

Dr. Ronald Steiner - moderner Transfer


Die Erkenntnis dieses [Unterschiedes] auf der höchsten Stufe ist siebenfach [nämlich a) kârya vimukti: 1. alles ist erkannt, 2. es bleibt nichts, was zu erkennen wäre, 3. die Kleça’s sind überwunden, 4. der Viveka ist erreicht; b) citta-vimukti: 5. die Buddhi hat ihren Zweck erreicht, 6. die Guṇa’s sind besiegt, 7. der Samâdhi ist vollendet].

Paul Deussen - 1908


Of that (enlightened soul) the perfect knowledge up to the ground of the limit, is of seven kinds.

James R. Ballantyne - 1852

yogaTatpuruṣa-Kompositum Genitiv
yogaSubstantiv Maskulin
Yoga
yogaSubstantiv Maskulin
yujVerbalwurzel
Yoga, Verbindung, das Anschirren
yujVerbalwurzelschirren, anspannen
aṅgaTatpuruṣa-Kompositum Genitiv
aṅgaSubstantiv Maskulin
Glied
anuṣthānatAblativ Singular
anuṣṭhānaSubstantiv Neutrum
Übung, Beginnen, Ausführung, Handlung
anuṣṭhānaSubstantiv Neutrum
anuPräfix s.thaana |s Neutrum
Übung, Beginnen, Ausführung, Handlung
anuPräfixfolgend, basierend auf, unter, nach
sthānaSubstantiv Neutrum
sthāVerbalwurzelanaSuffix
das Stehen
sthāVerbalwurzelstehen
anaSuffix NeutrumKr̥t-Suffix mit Guṇa-Stufe: bezeichnet eine Handlung
aśuddhiTatpuruṣa-Kompositum Genitiv
aśuddhiSubstantiv Feminin
Unreinheit
aśuddhiSubstantiv Feminin
aPräfix "suddhi |s Feminin
Unreinheit
aPräfixVerneinung
śuddhiSubstantiv Feminin
śudhVerbalwurzel
Reinigung, Reinheit
śudhVerbalwurzelreinigen
kṣayeLokativ Absulotiv Singular
kṣayaSubstantiv Maskulin
Verschwinden
kṣayaSubstantiv Maskulin
kṣiVerbalwurzel
Verschwinden, Verminderung, Verlust; Wohnung, Wohnsitz, Aufenthalt
kṣiVerbalwurzelvernichten, zerstören, ein Ende machen, sich aufhalten, wohnen
jñānaTatpuruṣa-Kompositum Genitiv
jñānaSubstantiv Neutrum
Kennen, Erkennen
jñānaSubstantiv Neutrum
jñāVerbalwurzelanaSuffix Neutrum
Wissen
jñāVerbalwurzelwissen, kennen
anaSuffix NeutrumKr̥t-Suffix mit Guṇa-Stufe: bezeichnet eine Handlung
dīptiḥNominativ Singular
dīptiSubstantiv Feminin
Strahlen, Glanz, Flamme
dīptiSubstantiv Feminin
dīpVerbalwurzel
Strahlen, Glanz, Flamme
dīpVerbalwurzelleuchten, brennen
ā
āPartikel
hin zu, bis an, bis zu
vivekaTatpuruṣa-Kompositum Genitiv
vivekaSubstantiv Maskulin
Unterscheidung
vivekaSubstantiv Maskulin
viPräfixvicVerbalwurzel
Scheidung, Trennung, Unterscheidung
viPräfixgetrennt, unterschiedlich, auseinander
vicVerbalwurzelaussondern, unterscheiden, untersuchen, prüfen, isoliert
khyāteḥGenitiv Singular
khyātiSubstantiv Feminin
Einsicht
khyātiSubstantiv Feminin
khyāVerbalwurzel
Einsicht, Vorstellung
khyāVerbalwurzelerschauen, erblicken, aufleuchten

Sobald durch die Übung dieser Glieder des Yoga (yogāṅgānuṣṭhānāt) ein Verschwinden der Unreinheiten (aśuddhi-kṣaya) [sich einstellt, geschieht ein] Erstrahlen von Wissen (jñāna-diptiḥ) bis hin (ā) zur Einsicht der Unterscheidung (viveka-khyāteḥ) [vom Seher (draṣṭr̥) und seinem Wahrnehmungsraum (citta)].

Dr. Ronald Steiner - historisch-wörtlich


Praktiziere die acht Glieder dieses Yogaweges (aṣṭāṅga-yoga). Ganz allmählich verschwinden so Unreinheiten (aśuddhi) und Wissen stellt sich ein (jñāna). Schließlich meisterst Du sogar die Unterscheidungskraft (viveka).

Dr. Ronald Steiner - moderner Transfer


Indem durch das Betreiben der Glieder des Yoga die Unreinheit verschwindet, entflammt sich das Wissen bis zur Erkenntnis des Unterschiedes [zwischen Prakṛiti und Purusha].

Paul Deussen - 1908


Till there is discriminative knowledge there is from the practice of the things subservient to the yoga an illumination (more or less brilliant) of knowledge (which is operative) in the removal of impurity.

James R. Ballantyne - 1852

yamaDvandva-Kompositum
yamaSubstantiv Maskulin
Leitlinien im Umgang mit anderen
yamaSubstantiv Maskulin
yamVerbalwurzel
Leitlinien im Umgang mit anderen
yamVerbalwurzelbändigen, halten
niyamaDvandva-Kompositum
niyamaSubstantiv Maskulin
Leitlinien im Umgang mit einem selbst
niyamaSubstantiv Maskulin
niPräfixyamaSubstantiv Maskulin
Leitlinien im Umgang mit einem selbst
niPräfixinnen, nach innen, innerhalb, unten, zurück
yamaSubstantiv Maskulin
yamVerbalwurzel
Leitlinien im Umgang mit anderen
yamVerbalwurzelbändigen, halten
āsanaDvandva-Kompositum
āsanaSubstantiv Neutrum
Körperübung, Körperhaltung
āsanaSubstantiv Neutrum
āsVerbalwurzelanaSuffix Neutrum
Körperhaltung, Körperübung
āsVerbalwurzelsitzen
anaSuffix NeutrumKr̥t-Suffix mit Guṇa-Stufe: bezeichnet eine Handlung
prāṇāyāmaDvandva-Kompositum
prāṇāyāmaSubstantiv Maskulin
Energieübung, Lebensenergie-Übung, Atemübung
prāṇāyāmaSubstantiv Maskulin
prāṇaSubstantiv MaskulināyāmaSubstantiv Maskulin
Lebensenergie-Übung, Atemübung
prāṇaSubstantiv Maskulin
praPräfixanaSubstantiv Maskulin
Atem, Lebensatem
praPräfixvorwärts, hervor
anaSubstantiv Maskulin
anVerbalwurzel
Atem
anVerbalwurzelatmen
āyāmaSubstantiv Maskulin
āPräfixyāmaSubstantiv Maskulin
Spannung, Dehnung / Hemmung
āPräfixzu, hin, herbei
yāmaSubstantiv Maskulin
yamVerbalwurzel
Fahrt, Lauf / Aufhören, Schluss
yamVerbalwurzelausbreiten / halten, bändigen
pratyāhāraDvandva-Kompositum
pratyāhāraSubstantiv Maskulin
Sinnesübung, Zurückziehen der Sinne, Übung mit Sinnen / Gefühlen
pratyāhāraSubstantiv Maskulin
pratiPräfixāhāraSubstantiv Maskulin
Zurückziehen der Sinne, Übung mit Sinnen / Gefühlen
pratiprefzuzurück, entgegen, gegen, Gegensatz
āhāraSubstantiv Maskulin
āPräfixhāraAdjektiv
Herbeiholen, Anwenden
āPräfixnahe, hin
hāraAdjektiv
harVerbalwurzel
herbeischaffend / entwendend
harVerbalwurzelherbeischaffen / wegnehmen
dhāraṇāDvandva-Kompositum
dhāraṇāSubstantiv Feminin
Konzentration, Übung mit dem Denken
dhāraṇaSubstantiv Feminin
dhr̥Verbalwurzel
Halten, Zurückhalten
dhr̥Verbalwurzelhalten
dhyānaDvandva-Kompositum
dhyānaSubstantiv Neutrum
Versenkung
dhyānaSubstantiv Neutrum
dhyāVerbalwurzelanaSuffix
Versenkung
dhyāVerbalwurzeldenken, bei sich denken, nachdenken
anaSuffix NeutrumKr̥t-Suffix mit Guṇa-Stufe: bezeichnet eine Handlung
samādhayaḥNominativ Plural
samādhiSubstantiv Maskulin
vollkommene Einheitserfahrung
samādhiSubstantiv Maskulin
samPräfixādhiSubstantiv Maskulin
Zusammensetzung, Verbindung, Einheitserfahrung, Erleuchtungszustand
samPräfixzusammen, mit, völlig
ādhiSubstantiv Maskulin
āPräfixdhāVerbalwurzel
Standort, Lage; Gedanken, Sorgen
āPräfixhin zu, nahe bei
dhāVerbalwurzelsetzen, stellen, legen
aṣṭauNominativ Plural
aṣṭanZahlwort
acht
aṅgāniNominativ Plural
aṅgaSubstantiv Neutrum
Glieder

Leitlinien nach außen (yama) und nach innen, (niyama), das Einnehmen einer festen Körperhaltung (āsana), das zur Ruhe bringen des Atems (prāṇāyāma), das Zurückziehen der Sinne (pratyāhāra) und Konzentration (dhāraṇā), schließlich Versenkung (dhyāna) und vollkommene Einheitserfahrung (samādhi) sind die acht Glieder (aṣṭav aṅgāni).

Dr. Ronald Steiner - historisch-wörtlich


Die Glieder des achfachen Yogaweges (aṣṭāṅga-yoga) bestehen aus:

Zwei Glieder für den Alltag:

  1. Achtung gegenüber Deinen Mitmenschen (yama)
  2. Achtung gegenüber Dir selbst, (niyama)

Vier Glieder als bewusste spirituelle Praxis (sādhana):

  1. eine regelmäßige ausgewogene körperliche Praxis (āsana)
  2. das Kultivieren von Atem und Energie (prāṇāyāma)
  3. das Üben mit Sinnen und Gefühlen (pratyāhāra)
  4. Konzentration (dhāraṇā)

Und drei Glieder der immer tiefer werdenden Meditation (samyama):

  1. Konzentration (dhāraṇā)
  2. Versenkung (dhyāna)
  3. vollkommene Einheitserfahrung (samādhi)

Hierbei bildet die Konzentration (dhāraṇā) das letzte noch bewusst übbare Glied der spirituellen Praxis (sādhana), als auch das erste Glied der immer tiefer werdenden Meditation (samyama).

Dr. Ronald Steiner - moderner Transfer


Zucht, Selbstzucht, Sitzen, Atemregelung, Einziehen [der Organe], Fesselung [des Cittam], Meditation und Versenkung sind die acht Glieder.

Paul Deussen - 1908


The eight thing subservients (to concentration) are (1) Forbearance, (2) Religious observance, (3) Postures, (4) Suppression of the breath, (5) Restraint, (6) Attention, (7) Contemplation and (8) Meditation.

James R. Ballantyne - 1852

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    Bärbel Münchow

    1 week ago

    Ich freue mich sehr über diese wunderbaren Übersetzungen. Vielen Dank!! Ich habe einen Gedankenanstoß für Euch: Samadhi wird im Pātañjalayogaśāstra mit dem Yogazustand gleichgesetzt. Der ist durch [...] Ich freue mich sehr über diese wunderbaren Übersetzungen. Vielen Dank!! Ich habe einen Gedankenanstoß für Euch: Samadhi wird im Pātañjalayogaśāstra mit dem Yogazustand gleichgesetzt. Der ist durch Dualismus, also die Unterscheidung von puruṣa und prakṛti charakterisiert. Insofern finde ich die Übersetzung „vollkommene Einheitserfahrung“ irreführend. Was meint Ihr?
    dhanyāsmi
    Bärbel aus Hamburg

    • Hallo Bärbel,
      ja, da hast Du durchaus recht. Eine Übersetzung verfärbt die ursprüngliche Aussage stets ein wenig. Daher gebe ich mir viel Mühe mit der Wortwahl.
      Bei Samādhi ist dies besonders [...] Hallo Bärbel,
      ja, da hast Du durchaus recht. Eine Übersetzung verfärbt die ursprüngliche Aussage stets ein wenig. Daher gebe ich mir viel Mühe mit der Wortwahl.
      Bei Samādhi ist dies besonders schwer. Genau aus dem Grund den Du nennst. Zum einen soll die Übersetzung für Leser von Heute verständlich sein, zum anderen auch an das Wort im historischen Kontext anknüpfen.
      Hast Du einen besseren Vorschlag für eine Übersetzung?
      Namaste und beste Grüße
      Ronald

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