Nicht nur Deine Wahrnehmung der Welt ändert sich, sondern auch die Welt selbst befindet sich in einem konstanten Prozess des Wandels (pariṇāma). Dieser Wandel folgt den gleichen Gesetzmäßigkeiten wie der Wandel des Geistes.

Yoga Sutra 3: Über Ergebnisse der Yogapraxis
etenaInstrumentalis Singular
etaPronomen 3. Person
durch jene
bhūtaDvandva-Kompositum
bhūtaSubstantiv Neutrum
grobstoffliches Element
bhūtaSubstantiv Neutrum
bhūVerbalwurzel
grobstoffliches Element, Dasein
bhūVerbalwurzelwerden, entstehen, gedeihen
indriyeṣuLokativ Plural
indriyaSubstantiv Neutrum
Sinnesorgan, feinstoffliches Element
dharmaDvandva-Kompositum
dharmaSubstantiv Maskulin
Aufgabe, Beschaffenheit, Pflicht, Tugend
dharmaSubstantiv Maskulin
dhr̥Verbalwurzel
Sitte, Gesetz, Eigenschaft, Aufgabe, Opfer
dhr̥Verbalwurzelhalten, tragen, stützen
lakṣaṇaDvandva-Kompositum
lakṣaṇaSubstantiv Maskulin
Umstand, Merkmal, Charakter, Zeichen
lakṣaṇaSubstantiv Maskulin
lakṣVerbalwurzel
Merkmal, Zeichen, Charakter, Attribut
lakṣVerbalwurzelbezeichnen, kennzeichnen, definieren
avasthāTatpuruṣa-Kompositum
avasthāSubstantiv Feminin
Zustand, Aussehen
avasthāSubstantiv Feminin
avaPräfixsthāVerbalwurzel
Art und Weise, Zustand
avaPräfixherunter, weg, fort
sthāVerbalwurzelstehen, stillstehen, stehen bleiben, dastehen
pariṇāmāḥNominativ Plural
pariṇāmaSubstantiv Maskulin
Umwandlung
pariṇāmaSubstantiv Maskulin
pariPräfixnamVerbalwurzel
Umwandlung, Wandlungszustand, Wandlung
pariPräfixum herum
namVerbalwurzelsich beugen, sich verneigen vor
vyākhyātāḥNominativ Plural
vyākhyātaSubstantiv Maskulin
Erklärung, Auseinandersetzung
vyākhyātaSubstantiv Maskulin
viPräfixāPräfixkhyātaAdjektiv
erklärt
viPräfixgetrennt, unterschiedlich, auseinander
āPräfixzu, hin, herbei
khyātaAdjektiv
khyāVerbalwurzel
genannt
khyāVerbalwurzelnennen

Durch jenes (etena) [die Beschreibung der Umwandlungsprozesse (pariṇāma) des Wahrnehmungsraumes (citta)], [ist] die Umwandlungen (pariṇāma) der [qualitativen] Aufgabe (dharmaa), des [räumlichen] Umstandes (lakṣaṇab) und des [zeitlichen] Zustand (avasthāc) im grobstofflichen (bhūta) und feinstofflichen (indriya) Bereich ebenso erklärt (vyākhyātāḥ)d.

Dr. Ronald Steiner - historisch-wörtlich

a:

Die Aufgabe, die beispielsweise Wasser hat, kann sich ändern. Es kann zum Trinken gut sein, oder um etwas zu löschen

b:

Auch der Ort von Wasser kann sich ändern und damit seine Form. Es kann sich in einer Vase befinden in einem Teich oder über den Boden verteilt sein.

c:

Schließlich durchläuft auch das Wasser die Zeit. Es altert sozusagen.

d:
  1. Die Umwandlung zur Ruhe (nirodha-pariṇāma) ist ein Beruhigen der (qualitativen) Beschaffenheit im Wahrnehmungsraum (citta). Diese ist analog zu Dharma-Pariṇāma, der Umwandlung der Aufgaben eines Objektes (Satz 3.9 und 3.10).
  2. Die Umwandlung zur Klarheit (samādhi-pariṇāma) ist ein Beruhigen der (räumlichen) Gerichtetheit im Wahrnehmungsraum (citta). Diese ist analog zu Lakṣaṇa-Pariṇāma, der Umwandlung des Umstandes eines Objektes (Satz 3.12).
  3. Die Umwandlung zur Sammlung (ekāgratā-pariṇāma) ist ein Beruhigen und Klären über die (zeitliche) Bewegung im Wahrnehmungsraum (citta). Dieses ist analog zu Avasthā-Pariṇāma, der Umwandlung des Zustandes eines Objektes (Satz 3.13).


Nicht nur Dein Wahrnehmungsraum (citta) sondern auch die von ihm wahrgenommenen grob- und feinstofflichen (bhūtendria) Objekte befinden sich in ständigem Wandel (pariṇāma). So wie Dein Wahrnehmungsraum sich in seiner Qualität zur Ruhe wandelt (nirodha-pariṇāma), in seinem Ausrichtung zur Klarheit (samādhi-pariṇāma) und in seiner Beschaffenheit zur Sammlung (ekāgratā-pariṇāma), so wandeln sich äußere Objekte in ihren Aufgaben (dharma-pariṇāma), ihrem Kontext (lakṣaṇa-pariṇāma) und ihrem Zustand (avasthā-pariṇāma).

Dr. Ronald Steiner - moderner Transfer


Damit sind in bezug auf Elemente und Sinnesorgane die [durch die drei Akte bedingten] Umwandlungen ihrer Naturbeschaffenheiten, Merkmale und Zustände erklärt.

Paul Deussen - 1908


By this (exposition of the modifications of the internal organs) the (three) modifications in the shape of property (Dharma), indication (Lakṣaṇa) and position (Avasthā) in (or of) the elements-and organs, have been (sufficiently) explained.

James R. Ballantyne - 1852

śāntaDvandva-Kompositum
śāntaAdjektiv
beruhigende, erloschene, vergangen
śāntaAdjektiv
śamVerbalwurzel
beruhigt, zur inneren Ruhe gelangt, erloschen, aufgehört, nachgelassen
śamVerbalwurzelruhig werden, still werden, aufhören, sich legen
uditaDvandva-Kompositum
uditaAdjektiv
bündelnd, aufgehende, entstehende, aktuelle
uditaAdjektiv
udPräfixiVerbalwurzel
entstehen, aufgehen
udPräfixauf, hoch, nach oben
iVerbalwurzelgehen, ausgehen, hingehen
avyapadeśyaKarmadhāraya-Kompositum
avyapadeśyaAdjektiv
unaussprechlich, undefinierbar, zukünftig
avyapadeśayaAdjektiv
aPräfixvyapadeśaSubstantiv Maskulin
unaussprechlich, undefinierbar, zukünftig
aPräfixVerneinung
vyapadeśaSubstantiv Maskulin
viPräfixapaPräfixdiśVerbalwurzel
Bezeichnung, Benennung
viPräfixgetrennt, unterschiedlich, auseinander
apaPräfixweg, fort, ohne - Apo-Kalypse
diśVerbalwurzelzeigen, vorweisen, vorführen
dharmaTatpuruṣa-Kompositum Dativ
dharmaSubstantiv Maskulin
Beschaffenheit, Aufgabe, Pflicht
dharmaSubstantiv Maskulin
dhr̥Verbalwurzel
Sitte, Gesetz, Eigenschaft, Aufgabe, Opfer
dhr̥Verbalwurzelhalten, tragen, stützen
anupātīNominativ Singular
anupātinAdjektiv
folgend
anupātinAdjektiv
anuPräfixpatVerbalwurzel
folgend
anuPräfixfolgend, basierend auf, unter, nach
patVerbalwurzelfliegen; sich herablassen; fallen
dharmīNominativ Singular
dharminSubstantiv Maskulin
Beschaffenheitsträger
dharminSubstantiv Maskulin
dharmaSubstantiv Maskulin
Beschaffenheitsträger
dharmaSubstantiv Maskulin
dhr̥Verbalwurzel
Sitte, Gesetz, Eigenschaft, Aufgabe, Opfer
dhr̥Verbalwurzelhalten, tragen, stützen

Die beruhigende (śāntaa) Beschaffenheit (dharma) [der Umwandlung zur Ruhe (nirodha-pariṇāma)], die bündelnde (uditab) Beschaffenheit [der Umwandlung zur Klärung (samādhi-pariṇāma)] und die unbeschreibbare (avyapadeśyac) Beschaffenheit [der Umwandlung zur Sammlung (ekāgratā-pariṇāma)] folgen dem [gleichen] Beschaffenheitsträger (dharmin).

Dr. Ronald Steiner - historisch-wörtlich

a:

śānta (beruhigend) bezieht sich auf Satz 3.9 und 3.10. Also auf Nirodha-Pariṇāma, die Umwandlung zur Ruhe.

b:

udita (aufgehend), bzw. uddita (bündelnd) bezieht sich auf Satz 3.11. Also auf Samādhi-Pariṇāma, die Umwandlung zur vollkommenen Einheitserfahrung.

c:

Nun kommt mit avyapadeśya (unaussprechlich) ein Bezug zur dritten Umwandlung in Satz 3.11 hinzu. Also auf Ekāgratā-Pariṇāma, die Umwandlung zur Präsenz.


Es ist immer die gleiche Grundsubstanz (dharmin), die in Vergangenheit (śānta), Gegenwart (udita) und Zukunft (avyapadeśya) immer wieder neue Aufgaben (dhamra) erfüllt.

Dr. Ronald Steiner - moderner Transfer


Hierbei ist der Beschaffenheitsträger der beruhigten, der erhabenen und der unaussprechlichen Beschaffenheit entsprechend.

Paul Deussen - 1908


A Dharmī is that which follows upon (or has) the properties in the shape of Śānta (tranquil), udita (risen) and avyapaddṣya (incapable of denomination).

James R. Ballantyne - 1852

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