Kürzer lassen sich die 25 Bausteine (tattva) des Kosmos nach der Saṁkhya Philosophie kaum beschreiben. Die drei Grundwebfäden (guṇa) spannen ein Netz für 16 feinstoffliche, 10 grobstoffliche und zwei erschließbare Elemente auf. Zwei Elemente bleiben unerschließbar.

Yoga Sutra 2: Über die spirituelle Praxis
prakāśaDvandva-Kompositum
prakāśaSubstantiv Maskulin
Erhellung, Licht
prakāśaSubstantiv Maskulin
praPräfixkāśaSubstantiv Maskulin
Erhellung, Licht
praPräfixvorwärts, vorne
kāśaSubstantiv Maskulin
kaa"s |r
Sichtbarkeit
kāśVerbalwurzelleuchten, glänzen
kriyāDvandva-Kompositum
kriyāSubstantiv Feminin
Handlung, Aktivität
kriyāSubstantiv Feminin
kr̥Verbalwurzel
Handlung, Aktivität
kr̥Verbalwurzelmachen, vollbringen, ausführen, bewirken
sthitiTatpuruṣa-Kompositum Genitiv
sthitiSubstantiv Feminin
Starrheit, Unbeweglichkeit
sthitiSubstantiv Feminin
sthāVerbalwurzel
das fest, aufrecht Stehen
sthāVerbalwurzelstehen
śīlamNominativ Singular
śīlaSubstantiv Neutrum
Wesen, Charakter
śīlaSubstantiv Neutrum
śīlVerbalwurzel
Wesen, Charakter
śīlVerbalwurzelmachen, tun, dienen, kontemplieren
bhūtaDvandva-Kompositum
bhūtaSubstantiv Maskulin
grobe Elemente, grobstofflich
bhūtaSubstantiv Maskulin
bhūVerbalwurzel
gewesen, geworden
bhūVerbalwurzelwerden, entstehen, geschehen
indriyaTatpuruṣa-Kompositum genvom Gott Indra abgeleitet
indriyaSubstantiv Neutrum
Sinne, feinstofflich
ātmakamNominativ Singular
ātmakaAdjektiv
zum Wesen eines Dinges gehörig, Eigenschaft
ātmakaAdjektiv
ātmanSubstantiv MaskulinkaSuffix
zum Wesen eines Dinges gehörig, Eigenschaft
ātmanSubstantiv Maskulin
anVerbalwurzelatVerbalwurzel
Hauch, Seele, Selbst
anVerbalwurzelatmen
atVerbalwurzelbewegen
kaSuffixTaddhita-Suffix: klein, verächtlich, meist ohne Bedeutungsunterschied zum Grundwort
bhogaDvandva-Kompositum
bhogaSubstantiv Maskulin
Genuss
bhogaSubstantiv Maskulin
bhujVerbalwurzel
Lebensart, Genuss
bhujVerbalwurzelgenießen
apavargaTatpuruṣa-Kompositum Akkusativ
apavargaSubstantiv Maskulin
Ende, Erlösung
apavargaSubstantiv Maskulin
apaPräfixvargaSubstantiv Maskulin
Ende, Erlösung
apaPräfixweg, fort, ohne
vargaSubstantiv Maskulin
vr̥jVerbalwurzel
Beseitiger, Abwehrer
vr̥jVerbalwurzeldrehen, abwenden
arthamNominativ Singular
arthaSubstantiv Neutrum
Zweck
dr̥śyamNominativ Singular
dr̥śyaSubstantiv Neutrum
das zu sehende Objekt
dr̥śyaSubstantiv Neutrum
dr̥śVerbalwurzel
das zu sehende
dr̥śVerbalwurzelsehen

Das zu sehende Objekt (dr̥śyam) [hat] die Charakteristik rein, bewegt oder starr (prāaśa-kriyā-sthiti-śīlam), [es hat] die Eigenschaft grobstofflich oder feinstofflich (bhūtendriyātmakam), [es hat] als Zweck die Erlösung oder den Genuss (bhogāparvārtham).

Dr. Ronald Steiner - historisch-wörtlich


Wir können die Objekte, die wir in dieser Welt wahrnehmen einteilen. Hierbei hilft uns die Saṁkhya Philosophie:

Vom Charakter (śīla) her finden wir reine (prakāśa), bewegte (kriyā) oder träge (sthiti) Objekte. Es handelt sich hier also um die drei Grundwebfäden dieser Welt (guṇa) nach der Saṁkhya Philosophie:

  1. das Reine (sattva)
  2. das Aufbrausende (rajas)
  3. das Trübe (tamas)

Von den Eigenschaften (ātmaka) her finden wir elementhafte (bhūta) und organhafte (indriya) Objekte. Es handelt sich also um die vier mal fünf Elemente und fünf Organe der Saṁkhya Philosophie:

  1. die fünf Elemente (mahabhūta): Erde (pr̥thivī), Wasser (āpas), Feuer (tejas), Luft (vāyu) und Äther (ākāśa),
  2. deren fünf wahrnehmbare Äquivalente (tanmātra): Duft (gandha), Geschmack (rasa), Form (rūpa), Berührung (sparśa) und Ton (śabda),
  3. die fünf Handlungsorgane (karmendrya): Fortpflanzung (upastha), Ausscheidung (pāyu), Bewegung (pāda), Berührung (hasta) und Sprache (vāc),
  4. sowie die fünf Wahrnehmungsorgane (jñānendria): Nase (ghrāṇa), Zunge (rasanā), Haut (tvac), Auge (cakṣus) und Ohr (śrota).

Von der Zielsetzung (artha) können wir Objekte, die für den kurzfristigen Genuss (bhoga) bestimmt sind, von solchen unterscheiden, die für eine langfristige Befreiung (apavarga) bestimmt sind, unterscheiden.

Dr. Ronald Steiner - moderner Transfer


Dasjenige, welches als Charakter Erhellung [Sattvam], Betätigung [Rajas] und Starrheit [Tamas], als Bestandteile die Elemente und Organe und als Zweck den Genuß und die Erlösung hat, ist das zu Sehende.

Paul Deussen - 1908


The visual (including the visible) whose habit is illumination, action and rest and which consists of the elements and the organs, is for the sake of experience and emancipation.

James R. Ballantyne - 1852

viśeṣaDvandva-Kompositum
viśeṣaSubstantiv Maskulin
Grobstofflichkeit: Die grobstofflichen Elemente
viśeṣaSubstantiv Maskulin
viPräfixśiṣVerbalwurzel
Grobstofflichkeit: Die grobstofflichen Elemente
viPräfixauseinander, getrennt
śiṣVerbalwurzelübrig lassen, verschonen
aviśeṣaDvandva-Kompositum
aviśeṣaSubstantiv Maskulin
Feinstofflichkeit
aviśeṣaSubstantiv Maskulin
aPräfixviśeṣaSubstantiv Maskulin
Feinstofflichkeit
aPräfixVerneinung
viśeṣaSubstantiv Maskulin
viPräfixśiṣVerbalwurzel
Grobstofflichkeit: Die grobstofflichen Elemente
viPräfixauseinander, getrennt
śiṣVerbalwurzelübrig lassen, verschonen
liṅgaTatpuruṣa-Kompositum Instrumentalis
liṅgaSubstantiv Neutrum
Merkmal
liṅgaSubstantiv Neutrum
liṅgVerbalwurzel
Merkmal
liṅgVerbalwurzelmalen, variieren
mātraDvandva-Kompositum
mātraSubstantiv Neutrum
bestimmbar, messbar
mātraSubstantiv Neutrum
Verbalwurzel
bestimmbar, messbar
Verbalwurzelmessen
aliṅgāniNominativ Plural
aliṅgaSubstantiv Neutrum
ohne Merkmal
aliṅgaSubstantiv Neutrum
aPräfixliṅgaSubstantiv Neutrum
ohne Merkmal
aPräfixVerneinung
liṅgaSubstantiv Neutrum
liṅgVerbalwurzel
Merkmal
liṅgVerbalwurzelmalen, variieren
guṇaTatpuruṣa-Kompositum Genitiv
guṇaSubstantiv Maskulin
Grundwebfäden der Welt, Grundsubstanz der Welt
parvāṇiNominativ Plural
parvanSubstantiv Neutrum
Glieder
parvanSubstantiv Neutrum
pr̥Verbalwurzel
Glied, Gelenk, Abschnitt
pr̥Verbalwurzelfüllen

Die Aufgliederung der Grundwebfäden dieser Welt (guṇa-parvāṇi) [erfolgt in] grobstofflich (viśeṣa), feinstofflich (aviśeṣa), bestimmbar durch Merkmale (liṅga-mātra) und merkmalslos (aliṅgāni).

Dr. Ronald Steiner - historisch-wörtlich


Die Grundwebfäden dieser Welt (guṇa) gliedern auch die 25 Bausteine (tattva) nach der Saṁkhya Philosophie auf:

Das Trübe (tamas) bildet die Grundalge der grobstofflichen (viśeṣa) Elemente:

  1. die fünf physischen Elemente (mahabhūta): Erde (pr̥thivī), Wasser (jala), Feuer (tejas), Luft (vāyu) und Äther (ākāśa),
  2. die fünf wahrnehmbaren Äquivalente (tanmātra): Duft (gandha), Geschmack (rasa), Form (rūpa), Berührung (sparśa) und Ton (śabda),

Das Reine (sattva) bildet die Grundlage der feinstofflichen (aviśeṣa) Elemente und des personifizierten Denkens:

  1. die fünf Handlungsorgane (karmendrya): Fortpflanzung (upastha), Ausscheidung (pāyu), Bewegung (pāda), Berührung (hasta) und Sprache (vāc),
  2. sowie die fünf Wahrnehmungsorgane (jñānendria): Nase (ghrāṇa), Zunge (rasanā), Haut (tvac), Auge (cakṣus) und Ohr (śrota).
  3. Das personifizierte Denken (manas)

Das Unstete (rajas) bildet die Grundlage für die nur durch Schlussfolgerung und durch Merkmale bestimmbaren (liṅga-mātra) Elemente:

  1. Das unpersonifizierte Denkprinzip (buddhi)
  2. Der “Ich-Macher” (ahaṁkāra)

Jenseits der Grundwebfäden dieser Welt (guṇa) und damit nicht direkt erkennbar oder durch Merkmale bestimmbar (aliṅga) sind:

  1. Der unmanifeste Anteil dieser physischen Welt (mūla-prakr̥ti)
  2. Der von dieser physischen Welt völlig unberührbare Wesenskern (puruṣa)

Mit diesen 25 Bausteinen (tattva) beschreibt die Saṁkhya Philosophie die gesamte Kosmologie.

Dr. Ronald Steiner - moderner Transfer


Die Viçesha’s [nach Vyâsa: die groben Elemente, Indriya’s und Manas], die Aviçesha’s [die Tanmâtra’s und der Ahaňkâra], das nur Erschließbare [die Buddhi] und das Unerschließbare [die nur durch Analogie, sâmânyato dṛshṭam, erkennbare Prakṛiti] sind die Gliederungen der Guṇa’s.

Paul Deussen - 1908


The divisions (of condition) of the qualities are (1) the diverse, (2) the non-diverse, (3) the merely (once) resolvable and (4) the irresolvable.

James R. Ballantyne - 1852

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